Die Wiese

Seit der Entstehung des Schwarzwaldes und seiner Ausläufer während der geologischen Hebungsvorgänge des oberrheinischen Grabenbruchs hat die Wiese durch ihre stetige Erosions- und Sedimentationsarbeit die Landschaft im Südschwarzwald und am Dinkelberg geformt. Die Wiese fliesst durch zwei landschaftlich und geologisch unterscheidbare Abschnitte, welche das Wiesental in das Tal der Schwarzwaldwiese im Oberlauf zwischen Fahl und Zell und das Untere Wiesental im Unterlauf zwischen Hausen und Kleinhüningen gliedern.

In jüngerer erdgeschichtlicher Zeit haben vor allem die Wechsel von Warm- und Kaltzeiten im Pleistozän das Erscheinungsbild des Wiesentales geprägt. Das Tal der Schwarzwaldwiese wurde durch den Feldberggletscher geformt. Nur im oberen Teil zwischen Fahl und Todtnau war der Gletscher mächtig genug, ein Trogtal in das kristalline Grundgestein zu graben. Die Gletscherzunge reichte jedoch bis nach Wembach. Am Oberlauf bei Todtnau und Gschwend fliesst die Wiese an einigen Stellen durch klammartige Vertiefungen mit Stromschnellen und kleinen Wasserfällen.

Fischerei

Die Wiese war seit Menschengedenken ein sehr fischreiches Gewässer. Die zahlreichen Seitenarme, das kiesige Flussbett, die Schatten spendenden Auenwäldchen und die Strömungsverhältnisse boten zahlreichen Fischen und anderen Wasserlebewesen optimale Lebensbedingungen. In vielen Chroniken wird auf die Vielfalt und Menge vor allem von Salmoniden hingewiesen. Im Frühmittelalter waren die Fischgründe noch für jedermann frei zugänglich, spätestens seit der Anwendung des fränkischen Königsrechts wurde die Fischweid eingeführt, mit der die Allgemeinnutzung des Flusses verboten wurde.

Im 15. Jahrhundert vergaben die Röttler Markgrafen sämtliche Fischereirechte von Hausen bis nach Kleinhüningen (mit Ausnahme von Stetten). Besonders reich an Fischen war die Wiesenmündung bei Kleinhüningen. Das wussten ebenso die Basler und Hüninger Fischer, so dass es an der Wiesemündung des Öfteren zu heftigen Streitereien kam, so im Lachsfangstreit von 1736/37. Die Fischweid war sehr streng reglementiert. Es mussten Schonzeiten, Minimalgrössen, Losgrenzen und die Wassernutzungsrechte der Mühlengewerbe und Flössereiwirtschaft berücksichtigt werden. Ein grosses Problem stellten zudem bereits im Mittelalter die Wiesenwuhre dar, die während der Fischwanderungszeit für den Durchzug der Lachse geöffnet werden mussten.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die hauptberufliche Fischerei aufgegeben. Hohe Wasserverschmutzung, die Kanalisierung der Wiese und der Bau von unüberwindbaren Laufwasserkraftwerken im Rhein zerstörten den Lebensraum und die Wanderwege vieler Flusslebewesen und damit die Wirtschaftsgrundlage der Fischerei. Heute besitzt einzig die alte Fischerfamilie Bürgin in Kleinhüningen noch das alte Fischereirecht und in Haagen erinnert der goldene Fisch im Wappen an das ehemalige Privileg, die Röttler Hochfischweid durchführen zu dürfen. Seitdem es die Wasserqualität wieder zulässt, kümmern sich verschiedene regionale Angelsport- und Fischereivereine, so auch der KFVBS um den Fischbestand und die Aufzucht von Jungfischen (Bachforellen). Im Rahmen gemeinschaftlich durchgeführter Flussputzaktionen tragen sie ausserdem wesentlich zur Reinhaltung der Wiese und der übrigen Gewässer im Wiesental bei.

In den Jahren 1999 und 2000 wurde die Wiese unter der Leitung des Tiefbauamtes Basel-Stadt in Teilbereichen revitalisiert. Offenbar mit Erfolg: Nach Angaben des Amts für Umwelt und Energie leben heute in der Wiese neben Aal, Elritze, Barbe, Nase und Alet auch seltenere Fischarten wie Gründling, Bachschmerle und Aesche.

Verantwortlicher:
Roger Senger
Natel 079 712 35 15